Die Kastratin (Roman) by Iny Lorentz

By Iny Lorentz

Show description

Read Online or Download Die Kastratin (Roman) PDF

Similar german_3 books

Die Atmosphäre der Erde: Eine Einführung in die Meteorologie, 3. Auflage

Diese reich illustrierte Einführung in die Meteorologie entstand aus der langjährigen Lehrerfahrung des Autors an den Universitäten München, Göttingen und Bonn. Neben dem Einstieg in dieses Fach bietet sie auch einen Überblick über wichtige Teilgebiete wie die synoptische Meteorologie und die Klimatologie.

Additional info for Die Kastratin (Roman)

Sample text

In seiner Stimme klang ein kratzender Unterton, der Giulia in den Ohren wehtat. Sie war so empört, dass sie kaum darauf achtete. Es war schon mehr als ungehörig, wenn ein Junge einem Mädchen unter den Rock schaute. Von ihr zu verlangen, sich auszuziehen, war eine große Sünde, sicher eine viel größere als das Nachsingen kirchlicher Lieder. »Bitte, mach die Wäsche ruhig schmutzig. « Giulia fühlte sich bei weitem nicht so mutig, wie sie sich gab. Sie hoffte, Ludovico wusste nicht, dass ihre Mutter krank war und das Haus kaum mehr verließ.

Auch dies war ein Ritual, das Beppo gern wiederholte. Giulia versprach es, ging aber noch einmal an den Gemüsebeeten entlang, bevor sie in die Stadt zurückkehrte. Unterwegs drängte es sie plötzlich mit aller Macht, den ersten Teil der Palestrina-Messe zu singen. Sie presste die Kiefer ganz fest zusammen, um diesen Wunsch zu bekämpfen. Als auch das nichts half, stimmte sie schließlich die kleine Melodie ihres Vaters an. Es war zwar kein gleichwertiger Ersatz, doch wenigstens konnte sie niemand schelten, wenn sie dieses Lied sang.

Die ersten Lieder hatte Giulia von ihrem Vater gelernt, kaum dass sie laufen konnte, und schon mit fünf Jahren hatten ihr die einfachen Kinder- und Volksweisen nicht mehr gereicht. So hatte sie begonnen, die weitaus komplizierteren Gesänge der Chorknaben nachzuahmen. Zunächst hatten die Erwachsenen sich darüber amüsiert und sie sogar noch angefeuert. Bald aber verbot die Mutter ihr jeglichen Gesang und zankte sich mit dem Vater, wenn dieser ihr erlaubte, weltliche Lieder vorzutragen. Giulia brachte es nicht fertig, der Mutter zu gehorchen.

Download PDF sample

Rated 4.26 of 5 – based on 40 votes